Freitag, 24. Mai 2013

Päckchen verschwunden

Vor kurzem hatten wir das erste Mal Ärger mit der Post hier in Schweden. Meine Eltern haben mir im April ein Päckchen nach Skogås geschickt. Dort war ein Kopfkissen zum Schlafen drin. So ein richtig schönes Großes aus Deutschland - so 60x60 cm wenn ich schätzen müsste. Hier in Schweden habe ich (zum Beispiel bei IKEA) bisher immer leider nur kleine Kissen gesehen. Naja jedenfalls war das Kissen vakuumverpackt im Päckchen auf dem Weg zu uns.

Normalerweise haben wir unsere Sendungen bis wir weggezogen sind immer bei Safin Spel im Skogås Centrum abgeholt. Das ist so ein Lotto- Pferdewetten- Kramladen der von ein paar Ausländern geführt wird. Der Besitzer ist eigentlich ganz nett und kann sogar etwas Deutsch, da er selbst lange in Dortmund gewohnt hat. Leider kommen dort nur noch Sendungen von Schenker oder GLS an. Die schwedische Post hat inzwischen im Matrix Supermarkt direkt gegenüber eine eigene kleine Abholstelle aufgemacht. Dort kommen jetzt alle DHL Päckchen und Pakete aus Deutschland an.

Am 21. April hatten wir einen Abholschein für besagtes Päckchen aus Deutschland im Briefkasten. Da ich in dieser Woche gerade in Japan war, lag der Abholschein erstmal ein paar Tage bei uns zuhause rum. Irgendwann eine Woche später wollte ich das Päckchen bei Matrix abholen. Dort wurde mir aber gesagt, dass das Päckchen bereits ausgeliefert worden sei. Auf meine Frage, warum ich dann einen Abholschein habe, wusste der Postmitarbeiter auch erstmal keine Antwort. Ich könne aber morgen nochmal wiederkommen, da dann ein Kollege da wäre, der sich besser auskennt. Stattdessen habe ich direkt eine Email an den Kundendienst der schwedischen Post geschickt und gefragt, ob sie nicht mal im System nachschauen können was da los ist. Glücklicherweise stand auf dem Abholschein ja eine Kollinummer drauf.

Am 2. Mai bekam ich eine Email als Antwort. Die Sendung sei am 23. April um 21:00 Uhr abgeholt worden. Da es eine unversicherte Sendung sei, könne man auch nichts weiter machen. Ich könne aber hier eine Reklamation hinterlassen – super. Ich schrieb zurück, dass ich am 23. April aus Japan zurückgekommen sei und mir abends das Spiel der Bayern gegen Barcelona angeschaut habe und deshalb sicher kein Paket abgeholt habe und ob man keinen Ausweis vorzeigen muss. Normalerweise muss man in Schweden immer überall eine Legitimation zeigen. Eine Reklamation auf der Webseite der Post habe ich zusätzlich auch noch hinterlassen.

Die Antwort auf meine Email kam am 6. Mai. Ja jemand hat das Päckchen auf jeden Fall am 23. April abgeholt und einen Ausweis muss man bei dieser Art von Sendung nicht zeigen. Das stimmt übrigens ist mir aufgefallen. Nur bei Paketen muss man seinen Ausweis bei Abholung zeigen. Trotzdem braucht man auch bei Päckchen irgendeine Art Abholschein. Das Ganze war also mehr als komisch. Mir lag der Verdacht nahe, dass sich jemand aus dem Laden das Päckchen unter den Nagel gerissen hatte. Das mir außerdem noch geraten wurde, über den Absender in Deutschland eine Reklamation zu machen, brachte mich irgendwie noch mehr auf die Palme. Ich schrieb zurück, dass die deutsche Post es ja offensichtlich schafft ihren Job zu machen, da das Paket es bis nach Schweden geschafft hat und es dort nichts zu reklamieren gäbe. Darauf bekam ich nie wieder eine Antwort.

Als ich mich schon mehr oder weniger mit dem Verlust abgefunden hatte, kam am 21. Mai eine Antwort auf meine Reklamation vom 6. Mai. Es tut ihnen leid, aber die Sendung steht auf ausgeliefert im System und man braucht keinen Identitätsnachweis beim Abholen, so dass sie nicht wissen wer es abgeholt hat. Manchmal käme es aber auch vor, dass Pakete falsch registriert werden und es deshalb so aussieht als ob sie ausgeliefert worden seinen. Sie haben auf jeden Fall einen Nachforschungsauftrag an die Ausgabestelle bei Matrix Skogås geschickt und darum gebeten, das Lager noch einmal genau zu kontrollieren. Voilà, nach 3 Tagen hatte ich einen neuen Abholschein im Briefkasten und konnte das „ausgelieferte“ Päckchen abholen. Kein Wort der Entschuldigung beim Abholen, aber gut. Glücklicher Ausgang für mich. Päckchen mit wichtigen Sachen, sollte man echt als Nachname (+5.00 Euro) schicken, wobei man dann aber auch fast wieder beim DHL Paketpreis ist. Päckchen mit Service Nachweis (+2.00 Euro) für Nachsendeverfolgung hätte mir in meinem Fall auch nichts genutzt.

Montag, 20. Mai 2013

Weltmeister


Geschichte wurde geschrieben. Nach 26 Jahren hat der Ausrichter mal wieder die Eishockey Weltmeisterschaft gewonnen. Herzlichen Glückwunsch an Tre Kronor. Das Finale gegen die überraschend starken Schweizer war packend und vom Ergebnis her etwas zu hoch. Wenn man schon mal die Eishockey WM vor der Tür hat, muss man auch hingehen. Zwei Vorrundenspiele von Schweden haben wir uns angeschaut. Das 2:1 gegen die Tschechische Republik und das 2:1 gegen Weißrussland. Beides keine überzeugenden Ergebnisse eigentlich. Aber da sieht man auch, dass die individuelle Klasse der später dazugestoßenen Stars Daniel Sedin, Loui Eriksson und Henrik Sedin einen Unterschied machen kann.

Jedenfalls wird die neunte Weltmeisterschaft für Schweden heute ordentlich gefeiert. Gegen Mittag gibt es ein Event mit der Mannschaft im Kungsträgården. Das liegt mitten in Stockholm, nicht weit von der Centralen entfernt. Die Ticketpreise waren übrigens total unterschiedlich. Gegen die  Tschechische Republik im Block A haben wir 995,- SEK pro Karte bezahlt. Das sind allerdings auch ziemlich gute Plätze, an Ende der langen Seite ganz unten. Die haben wir genommen, weil Nadine aus Höhenangst nicht gerne weit oben sitzt. Die Karten für das Weißrussland Spiel haben nur 295,- SEK im Block B gekostet. Da war ich mit einem Arbeitskollegen. Vorher hatte übrigens die Schweiz im Globen die Tschechen mit 5:2 abgeschossen und wir konnten noch mit den Schweizer Fans ein paar Bier trinken. Damals habe ich zu den Schweizern gesagt, dass sie „das Ganze Ding“ noch gewinnen, wenn sie so weiter spielen. Deutsche können sie übrigens nicht so gut leiden :) Die Karten für das Finale waren natürlich wesentlich teurer bzw. die billigen Tickets ausverkauft. Eine Karte im Block A lag bei rund 300 Euro.

Etwas enttäuscht war ich von der Stimmung im Globen während der schwedischen Heimspiele muss ich sagen. Es gab nur ganz wenige Hardcore Fans die Stimmung gemacht haben. Bei allen anderen ging es meistens nicht über Klatschen und „Sverige, Sverige“ Rufe hinaus. Dabei ist die Stimmung bei den Liga Spielen in den schwedischen Eishockey-Ligen Elitserien oder Allsvenkan eigentlich sehr gut. Allgemein glaube ich außerdem, dass es besser wäre die Eishockey WM nur alle 2 Jahre stattfinden zu lassen. Im Moment hat der Weltmeister Titel definitiv nicht den selben Stellenwert wie ein Gewinn der Handball- oder Fußball WM. Erschreckend ist außerdem, wie wenig Zuschauer teilweise zu den Spielen kommen, an denen der Gastgeber nicht beteiligt ist. Im Fernsehen sieht man das gar nicht so deutlich, aber es können manchmal nicht mehr als 1000 Besucher sein. Irgendwas muss sich der Welt Eishockeyverband da mal einfallen lassen.

Sonntag, 12. Mai 2013

Die neue Waage

Beim Einkaufen sind wir immer noch bekennende „Selbstscanner“ Fans. In den meisten schwedischen Supermarkt Ketten, z.B. bei ICA, Coop, Hemköp oder Willys, gibt es am Eingang kleine Handscanner. Damit scannt man die Ware direkt beim Einkaufen. Komisch das Lidl die Dinger noch nicht eingeführt hat. Ausgerüstet mit so einem Scanner, muss man sich am Ende nicht mehr an der Kasse anstellen, sondern einfach nur noch mit Maestro- oder Kreditkarte bezahlen und ist fertig. Das ist besonders am Donnerstagabend oder Sonntagnachmittag, wenn alle Stockholmer gefühlt ihren Wocheneinkauf machen, ein Segen. Geht schneller und ist praktischer, da man so auch noch direkt während der Einkaufstour mitkriegt, für wie viel Geld man schon Ware im Korb hat. Außerdem kann man sich so vor unerwünschten Überraschungen auf dem Kassenbon schützen. 4 Bratwürste mit Rosmarin von Taylor & Jones für 90 SEK bei ICA in Nacka waren mir dann doch etwas zu happig. Natürlich kann man alle Artikel, die man doch nicht kaufen will, jederzeit wieder rausnehmen und zurücklegen.

Die Selbstscanner gibt es schon länger in schwedischen Supermärkten. Wir machen das eigentlich schon seit 2008. Offensichtlich ist das Vertrauen in die schwedische Bevölkerung berechtigt, da immer mehr Supermärkte auf Selbstscanner setzen. Kontrolliert wird man in der Regel auch selten. Stichproben werden aber gemacht. Das ist natürlich etwas ärgerlich, wenn man sehr viel einkauft und alles in Tüten gepackt hat. Nur um dann im Bezahlterminal zu lesen: „Dein Einkauf muss von einem Kassierer überprüft werden“. Schwarze Schafe gibt es natürlich auch in Schweden. Nachdem wir aus Norwegen zurück waren, mussten wir unsere Selbstscanner Kundenkarte von Willys umtauschen gehen. An der Kasse vom Kundenservice klebte ein gelber Notizzettel, den wir während des Wartens lesen konnten. Darauf stand in etwa: „Wenn XYZ (nicht schwedischer Name) hier auftaucht und sich zum Selbstscannen anmeldet, unbedingt ablehnen. Er ist bei Willys in Alvsjö ein paar Mal in der Nachkontrolle beim Bescheissen erwischt worden“.

Jedenfalls ist mir im Zusammenhang mit Selbstscannen neulich eine coole Neuerung in der Obstabteilung aufgefallen. Normalerweise muss man ja sein Obst und Gemüse selbst wiegen, das Etikett mit Barcode ausdrucken und einscannen. Das ist besonders dann eine Herausforderung, wenn man noch nicht gut Schwedisch spricht da sich einige Produkte nur anhand ihres Namens finden lassen und „Porree“ oder „Frühlingszwiebeln„ glaube nicht zu den Worten gehören, die man sich gleich am Anfang einprägt. Inzwischen hat ICA aber eine Waage eingeführt, die anhand von Farbe und Größe selbst erkennen kann, welches Produkt man gerade wiegen möchte. Ich nehme an, dass sich dafür irgendwo eine kleine Kamera in der Waage befindet. In den meisten Fällen wird der zu wiegende Artikel 100% korrekt identifiziert. Wenn das Produkt nicht eindeutig zu bestimmen ist, z.B. bei Clementinen und Satsumas, werden einfach mehrere Alternativen angezeigt und der Kunde muss dann die korrekte Auswahl treffen. Falls die „Zauberwaage“ völlig daneben liegt - was erst ein einziges Mal vorgekommen ist - kann man immer noch selbst anhand des Namens suchen.

Jetzt warte ich nur noch auf die Android oder Iphone Barcode Scanner App um direkt mit dem eigenen Handy scannen und Bezahlen zu können. Dann müsste man nicht länger den gleichen Scanner angrabschen, den vorher schon 50 Kunden in der Hand hatten und könnte gleichzeitig einen netten Preisvergleich integrieren (z.B. „diese Salami kostet bei uns 10% weniger als bei Supermarkt X“).

Sonntag, 7. April 2013

Handwerker und ROT-Avdrag

Heute ist es mal wieder an der Zeit etwas zu bloggen. In den letzten beiden Monaten hatten wir leider super viel um die Ohren bzw. gar kein Internet. Anfang Februar haben wir den Schlüssel zu unserem Reihenhaus bekommen, dass wir uns Ende letzten Jahres gekauft haben. Das Haus wurde 1979 gebaut und hatte vor uns nur einen einzigen Besitzer. Dementsprechend sah das Haus bei Einzug aus. Tapeten auf dem Stand der 80ziger Jahre und ein Bad noch komplett im Originalzustand. Das alles hatten wir natürlich vorher schon bei der Besichtigung gesehen. Vielleicht war das ein Grund dafür, dass außer uns niemand Interesse hatte das Haus zu kaufen - was eigentlich selbst im Randgebiet Stockholms selten ist. Ich glaube, dass viele Schweden sich lieber etwas kaufen, bei dem man nicht mehr viel Zeit und Geld reinstecken muss.

Jedenfalls hatten wir uns zum Ziel gesetzt, das Reihenhaus innerhalb von einem Monat auf Vordermann zu bringen. Das Bad sollte komplett gefliest und mit neuen Badmöbeln und neuer Badewanne ausgestattet werden. Alle Tapeten wollten wir komplett entfernen. Danach die Wände spachteln lassen und alles neu streichen. Schlüsselübergabe war am 1. Februar, Einzug für den 23. Februar geplant. Für das Badezimmer wollten wir uns eine Firma besorgen und hatten uns ein Budget von 10.000 Euro gesetzt. In Schweden gibt es einige nützliche Internetseiten, die helfen einen Handwerker zu finden. Beispielsweise GoHandy. Diese Webseite hieß früher glaube ich Bello.se. Man stellt dort einen Auftrag mit detaillierter Beschreibung ein. Firmen, die an dem Auftrag interessiert sind, können dann ein Angebot abgeben oder erstmal Kontakt aufnehmen. Bei größeren Aufträgen schickt aber kaum eine Firma direkt ein Angebot, ohne vorher das Objekt gesehen zu haben.

Wir haben unsere Firma aber über eine andere Webseite gefunden, nämlich Rejta.se. Dort schreibt man in ein Suchfeld was man sucht, z.B. „Badrum“ und wo man wohnt. Rejta listet dann Firmen aus der entsprechenden Kategorie mit Bewertungen von Kunden. Zu jeder Bewertung gibt es noch eine kurze Beschreibung des Auftrags. Entschieden haben wir uns für die Firma Aquabygg aus Täby, die uns den besten Preis angeboten haben und viele gute Bewertungen hatten. Das Schöne in Schweden ist der so genannte ROT Avdrag. Dieses Überbleibsel aus der Finanzkrise sollte Anfang 2009 dabei helfen die schwedische Wirtschaft wieder ankurbeln. Eigentümer von Häusern und Wohnungen können 50% der Arbeitskosten von Handwerkern vom Finanzamt wieder bekommen. In einen Jahr können dabei maximal 50.000 SEK pro Person angesetzt werden. Die volle Summe bekommt man allerdings nur zugesprochen, wenn man im gleichen Jahr genug Einkommenssteuer zahlt. Das Ganze funktioniert so, dass die beauftragte Firma den ROT-Avdrag direkt von der Rechnung abzieht. Als Kunde muss man sich also um gar nichts selbst kümmern, da sich die Firma das Geld vom Finanzamt im Namen des Kunden holt.

Unser erstes Angebot zur Bad Renovierung von Aquabygg sah also wie folgt aus. Gesamtpreis inklusive Material und Arbeit über 3 Wochen 110.000 SEK. Davon Arbeitskosten 95.000 SEK. Von den Arbeitskosten 50% via ROT Avdrag abgezogen. Verbleibend zu zahlen für uns: 62.500 SEK. Also noch genug Luft um eine Badewanne, Heizkörper für Handtücher und Badmöbel zu kaufen. Die Badewanne und den Heizkörper habe ich in Deutschland bei Iceprice bestellt. Das lohnt sich trotz rund 200 Euro Speditionskosten, da in Schweden Bad- und Sanitärartikel sehr viel teurer sind als im Baumarkt. Das ich keine Füße für die Wanne und keinen Ablauf mitbestellt habe, ist noch mal eine andere Geschichte. Wäre schön gewesen, wenn Iceprice da nochmal nachgefragt hätte. Wusste nicht, dass man alle Teile einzeln kaufen muss. Wie oft bestellt man schon eine Wanne. Die Badmöbel haben wir vor Weihnachten bei Hornbach in Berlin bestellt, zusammen mit einem neuen, massiven Küchentisch von Höffner. Hier haben wir allerdings deutlich Minus gemacht, da der Preis bei Hornbach in Stockholm nur unwesentlich über dem deutschen liegt. Blöderweise habe ich kein Speditionsunternehmen gefunden, dass uns die Artikel günstig von Berlin nach Stockholm fährt. Am Ende musste ich eine Umzugsauktion starten und unsere Sachen als so genannte Beiladung bei einem anderen Umzugs für 650 Euro mitschicken. Das hat die Firma XTrA Umzüge für uns prima erledigt. Leider war der Spaß wie gesagt nicht ganz billig. Es lohnt sich also nicht immer alles in Deutschland zu kaufen.

Einen Tag nach der Schlüsselübergabe haben wir angefangen im Haus die Tapeten zu entfernen. Nadine ihr Papa hatte sich extra 3 Wochen frei genommen um uns zu helfen. Leider ging das Tapete entfernen echt besch... Es waren teilweise vier Lagen Tapete übereinander geklebt und jede Schicht musste mühsam einzeln eingeweicht und mit dem Spachtel abgekratzt werden. Nach 3 Tagen war uns klar, dass wir niemals in 3 Wochen einziehen können. Uns blieb nichts anderes übrig, als uns nochmal bei Aquabygg Hilfe zu holen. Nach dem Entfernen der Tapete und vor dem Streichen, müssen alle Wände gespachtelt werden damit sie schön glatt sind. Alternativ kann man auch 4mm Gipsplatten auf die Wände schrauben und direkt dort drauf malern. Dafür habe ich mir von der Firma Aquabygg auch noch mal ein Angebot geben lassen. Gesamtkosten 49.700 SEK, nach ROT Avdrag 30.800 SEK. Da wir kaum eine Wahl hatten, haben wir Aquabygg auch dafür den Auftrag gegeben.

Leider habe ich mit dem ROT Avdrag einen dummen Fehler gemacht. Als Eigentümer haben wir beim Kauf des Hauses nämlich nur mich eintragen lassen. Dadurch darf Nadine beim Finanzamt selbst keinen ROT Avdrag geltend machen. Irgendwie hatte ich im Hinterkopf, dass man 100.000 SEK als ROT Avdrag ansetzen kann. Es sind aber nur 50.000 SEK die man wiederbekommt. Mit beiden Rechnungen lag ich da deutlich drüber. Dummerweise ist das Problem des Kunden, welcher der Firma das Geld schuldig bleibt. Mir blieb also nichts weiter übrig, als in den sauren Apfel zu beißen und deutlich mehr an Aquabygg zu bezahlen, als ursprünglich eingeplant. Ein wirklich dummer Fehler von uns, Nadine nicht mit zum Eigentümer zu machen. Geld an den schwedischen Staat verschenkt.

Nach 3 Wochen schuften konnten wir dann doch wie geplant einziehen. Mit der Arbeit von Aquabygg waren wir auch zufrieden. Die meisten Arbeiter kamen aus Polen. Das ist bei fast allen Firmen so, die bei Rejta.se unter „Badrum Renovering“ ganz oben stehen. Blöd ist leider, dass meistens nur der Chef Englisch oder Schwedisch spricht. Nicht selten gibt es dadurch Verständigungsprobleme. Trotzdem sieht das Haus jetzt Spitze aus. Learnings aus dem Ganzen: besser Preise zwischen Deutschland und Schweden vergleichen und nichts mehr dem Finanzamt schenken.

Freitag, 1. Februar 2013

Rente in Schweden

Neulich habe ich mir mal angeschaut, wie das hier in Schweden mit der Rente funktioniert. Letztes Jahr im August habe ich ja wieder angefangen in Schweden zu arbeiten. Zunächst gibt es hier wie in Deutschland die staatliche Rente (Allmänna pension). Von den Steuern, die jeden Monat vom Bruttolohn abgezogen werden, gehen aktuell 18,5% an die Rentenkasse. Die staatliche Rente ist dann noch mal in zwei Teile aufgeteilt, die sich Inkomstpension und Premiepension nennen. In den größeren Teil, die Inkomstpension, werden 16,0% des Bruttolohns eingezahlt. Die Inkomstpension ist mit der deutschen Rente vergleichbar und wird mit festem Wert bis zum Rentenalter angespart. Der kleinere Teil, die Premiepension, entspricht 2,5% des Bruttolohns. Die Premiepension wird für den Rentennehmer automatisch in einem Fond angelegt, der über die Jahre im Wert vermutlich steigen wird. Nimmt man keine Veränderungen vor, hat der schwedische Staat mehrere Alternativen, wie er die Beiträge der Premiepension anlegen kann. Für mich wurde automatisch das Anlageprodukt AP7 Såfa ausgewählt. Dieses besteht aus einem globalen Aktienfond und einen Zinsfond (keine Ahnung was das ist).

Wenn man selbst bestimmen möchte, wie die Rente in der Premiepension angelegt werden soll, dann kann man das auf der Webseite pensionsmyndigheten.se machen. Dazu benötigt man entweder einen persönlichen Code oder Zugang via e-Legitimation. Da ich e-Legitimation nicht mag, da ich es unter Ubuntu Linux noch nicht zum laufen bekommen habe, habe ich mir einen persönlichen Code schicken lassen. Einfach hier die schwedische Personennummer eingeben und bestellen. Nach 2 Tagen kam der Code per Post und ich konnte mich einloggen. Auf der Webseite der Pensionsmyndigheten kann man dann selbst einen Fond für die Premiepension auswählen. Ich weiß leider nicht ob man jeden beliebigen Fond oder nur aus den staatlichen AP7 Alternativen wählen kann. Zur Zeit habe ich 251.504 SEK in die staatliche Rente in Schweden eingezahlt (2008, 2009, 2010 und noch einige Monate 2011 und 2012). Die Webseite von den Pensionsmyndigheten ist ganz nett gemacht. Man kann genau einsehen, wie viel man schon eingezahlt hat. Außerdem können sie auf Wunsch auch eine vorläufige Berechnung durchführen, wie viel man voraussichtlich im Monat als Rente erhält. Dazu müssen sie allerdings Kontakt zu weiteren Beteiligten aufnehmen, denn die staatliche Rente ist nur der erste von drei Teilen, aus denen sich die endgültige Rente zusammen setzt. Kommen wir zum zweiten Teil, der Tjänstepension.

Neben der Allmänna pension gibt es in Schweden nämlich noch einen Rententeil, in den nur der Arbeitgeber einzahlt - die Tjänstepension. Letzte Woche kam hier ein Bescheid von meinem aktuellen Tjänstepension Verwalter (SEB) per Post an. In 5 Monaten, die ich 2012 gearbeitet habe, wurden 2.655 SEK in meine Fondversicherung (SEB Trygg Liv) eingezahlt. Das blöde bei der Tjänstepension ist, dass sie sich fast jedes Mal ändert wenn man den Arbeitgeber wechselt. Wenn man dann irgendwann um die 65 in Rente geht, hat man dann Anspruch auf Tjänstepension aus unterschiedlichen Verträgen. Leider bin ich nicht mehr so gut informiert, wie das Rentensystem in Deutschland funktioniert, aber ich glaube das ist dort so ähnlich mit den Betriebskassen.

Ob und von wem man in Schweden Tjänstepension bekommt, hängt davon ab ob der aktuelle Arbeitgeber sich einem „Kollektivavtal“ (Gewerkschaftsvertrag) angeschlossen oder selbst ein Prensionsprogramm installiert hat. Mein aktueller Arbeitgeber hat so einen Kollektivavtal. Wir laufen als privat-angestellte Dienstleister und unser Kollektivavtal heißt ITP. Das Hotel bei dem Nadine arbeitet ist dem Kollektivavtal SAF LO angeschlossen, der für privat-angestellte Arbeiter ausgehandelt wurde. Bei uns beiden kam nach zirka 2-3 Monaten, nachdem wir mit der Arbeit angefangen haben, ein Schreiben in dem stand, dass wir uns ein innerhalb unserer ITP1 und SAF LO Verträge entscheiden müssen, wie das Geld welches der Arbeitgeber einzahlt angelegt wird. Man hat die Wahl zwischen einer kapitalbildenden Versicherung (Lebensversicherung) oder einer Fondversicherung. Vorgeschlagen werden rund 10 Versicherungen aus denen man eine auswählen muss. Woher soll man bitte als normaler Bürger wissen, welches Anlageprodukt bei welchem Unternehmen am besten ist? Ich habe mich dann einfach für zwei Fondversicherungen entschieden. SEB Trygg Liv für mich, weil ich die schon mal bei meinem ersten Arbeitgeber im Rahmen der Tjänstepension hatte. Danica Pension für Nadine, da die sich laut einem Report in den letzten beiden Jahren am besten entwickelt haben. Keine Ahnung, hoffe das war eine gute Wahl.

Nachdem man sich für ein Produkt der Tjänstepension entschieden hat, kann man optional noch Familienschutz und Auszahlung im Todesfall angeben. Für beide wird ein Teil des Geldes, welches der Arbeitgeber in die Tjänstepension einzahlt, verwendet. Man spart dann also weniger für die Rente an. Mit Familienschutz erhalten Familienangehörige eine zusätzliche Witwenrente falls man stirbt. Bei Auszahlung im Todesfall geht der Rentenanspruch im Todesfall auf den Partner über. Im besten Fall (bzw. im schlechtesten Fall) kriegt der Partner also zweimal Rente aus der Tjänstepension. In meinem ersten Arbeitsverhältnis hat der Arbeitgeber auch in die Tjänstepension eingezahlt. Dabei sind in reichlich drei Jahren rund 135.000 SEK zusammengekommen - nicht schlecht. Keine Ahnung wie viel das dann endgültig als monatliche Rente ausmacht. Auf der Webseite pensionsmyndigheten.se kann man sich, wie oben kurz erwähnt, übrigens darüber auch eine Prognose erstellen lassen. Die schwedischen Pensionsmyndigheten holen dann Informationen aus allen Tjänstepensionsverträgen ein (direkt beim Anbieter der kapitalbildenden Versicherung oder Fondversicherung). Zusammen mit der ohnehin bekannten Allmänna pension, wird dann eine Prognose über monatliche Rentenzahlung erstellt. Das dauert allerdings eine Weile. Ich habe meine Prognose bisher noch nicht bekommen.

Der dritte und abschließende Teil der Gesamtrente, wird von privaten Rentenvorsorgeverträgen beigesteuert. Das kann zum Beispiel eine kapitalbildende Versicherung sein, die man selbst abgeschlossen hat und aus eigener Tasche bezahlt. Ich denke das läuft so ähnlich wie die Riesterrente in Deutschland. Da wir so was nicht abgeschlossen haben, kann ich leider nicht viel mehr darüber schreiben. Achso, damit man nicht vergisst über seine Rente nachzudenken, bekommt man in Schweden einmal im Jahr einen Bescheid von den Pensionsmyndigheten nach Hause geschickt. Dieser Bescheid ist in Schweden unter dem Begriff oranges Kuvert bekannt. In Stockholm wird immer Ende Februar, Anfang März verschickt. Dort steht dann drin, wie viel man im letzten Jahr in die Allmänna Pension eingezahlt hat und wie viel man insgesamt schon angespart hat. Einen Rentenanspruch haben alle, die mindestens drei Jahre lang in Schweden in das Rentensystem eingezahlt haben.

Mittwoch, 9. Januar 2013

Öresundbrücke und Netflix

Durch Empfehlung von Arbeitskollegen haben Nadine und ich vor kurzem angefangen die Serie „Bron“ zu schauen. Das ist eine schwedisch-dänische Krimiserie von 2011 mit 10 Folgen, die bereits im Herbst 2011 im schwedischen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Ich muss sagen, alle Achtung. Wirklich gut gemacht und spannend das Teil.

„Bron“ beginnt damit, dass auf der Öresundbrücke eine Frauenleiche gefunden wird. Der Körper befindet sich genau auf der Grenze zwischen Schweden und Dänemark und fällt sozusagen in den Zuständigkeitsbereich beider Länder. Wie sich dann aber herausstellt, gehört die obere Körperhälfte einer Politikerin aus Malmö und die untere Körperhälfte einer Prostituierten aus Kopenhagen. Für die Ermittlungen arbeitet die schwedische Ermittlerin Saga Norén (gespielt von Sofia Helin) mit dem dänischen Polizisten Martin Rohde zusammen. Sofia Helins Rolle ist etwas ungewöhnlich, da Sara offensichtlich das Asperger-Syndrom und Probleme mit ihrer sozialen Kommunikation hat. Das bekommt der dänische Teil des Teams am Anfang direkt zu spüren. In den bisherigen 4 Folgen, die wir gesehen haben, fühlt man sich etwas an den Film „Sieben“ erinnert. Der Täter treibt ein ähnliches Spiel mit den beiden Ermittlern.

Die Serie wurde mehrfach ausgezeichnet, z.B. als beste europäische Serie 2012 mit dem Prix Europa. Was Bron einzigartig macht, ist das sowohl Schwedisch als auch Dänisch gesprochen wird. Rechts und Links von der Öresundbrücke versteht man sich offenbar ganz gut. Wir können die Serie natürlich nur mit Untertiteln schauen. In Deutschland wurde „The Bridge“ im März 2012 vom ZDF ausgestrahlt, da das ZDF mit produziert hat. Da ich vermute, dass die Serie komplett ins Deutsche übersetzt wurde, fehlt leider der zweisprachige Flair. Inzwischen wird übrigens an einer zweiten Staffel gearbeitet, die im Herbst 2013 in Schweden gezeigt wird. Außerdem gibt es in diesem Jahr noch ein amerikanisches Remake (wird gern gemacht, siehe Insomnia, Girl with the Dragon Tatoo usw.) Das Remake mit Diane Kruger und Annabeth Gish spielt allerdings nicht in Skandinavien sondern an der Grenze zwischen den USA und Mexiko.

Um die Serie zu schauen habe ich mich extra bei Netflix angemeldet. Der Service ist seit Oktober 2012 in Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland verfügbar. Für 79 SEK im Monat kann man (ähnlich wie bei Maxdome) zahlreiche Serien und Filme über Internet anschauen. Da wir zur Zeit 100 Mbit Glasfaser haben, gibt es auch keine Geschwindigkeitsprobleme bei Filmen in HD Qualität. Laptop neben den Fernseher, HDMI Kabel ran und fertig ist der Lack. Funktioniert auch prima über die Playstation 3. Netflix ist ziemlich aggressiv in den skandinavischen Markt reingegangen. Bereits existierende Anbieter wie Viaplay oder Voddler mussten teilweise mit den Preisen nachziehen. Gut für uns.

Dienstag, 8. Januar 2013

Eindecken in Deutschland

Langsam kehrt das Leben auf die Straßen von Stockholm zurück. Viele Schweden nehmen zum Jahreswechsel gerne zwei Wochen Urlaub. Da in Schweden der 6. Januar auch ein offizieller Feiertag ist, muss man (wenn er nicht gerade wie in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt) nur sehr wenig eigene Urlaubstage investieren, um zwei volle Wochen frei zu nehmen. Ich habe allerdings schon letzte Woche wieder angefangen zu arbeiten. Da war die Stadt noch ziemlich leer. Früh kaum jemand in der Tunnelbana. Abends kein Problem einen Parkplatz zu finden. Schon recht ungewöhnlich.

Dieses Jahr sind wir über Weihnachten mal wieder mit dem Auto nach Deutschland gefahren. Unsere favorisierte Route ist immer noch die Strecke über Dänemark. Von Stockholm nach Helsingborg. Von dort mit der Fähre nach Helsingør. Ab durch Dänemark nach Gedser und von dort mit der Fähre nach Rostock. Dann noch mal rund 2 Stunden nach Berlin. Es gibt viele andere Möglichkeiten mit dem Auto nach Berlin zu kommen, aber ich finde diese Variante ist eine gute Mischung hinsichtlich Kosten, Fahrzeit und Entfernung. Früher sind wir die komplette Strecke an einem Tag gefahren. Dafür braucht man ungefähr 12 Stunden und fährt fast 1000 km. Inzwischen haben wir es uns aber zur Angewohnheit gemacht eine Nacht im Hotel zu verbringen. Wir stoppen dann entweder in Scandic Helsingborg Nord oder im John Bauer Best Western in Jönköping. Das Scandic Hotel ist allerdings schon ziemlich abgewohnt und wirklich nur für einen kurzen Aufenthalt ohne Ansprüche zu empfehlen.

Nicht zuletzt wegen des günstigen Euro Kurses, lohnt es sich auch wieder extrem in Deutschland einzukaufen. Unser Auto war auf der Rückfahrt gut beladen. Zollkontrollen scheinen inzwischen auch eher die Ausnahme als die Regel zu sein. Wir sind auf unserer Tour nicht einmal vom Zoll kontrolliert worden. Natürlich hatten wir einiges an Bier an Bord. Vor dem Hintergrund eines baldigen Umzugs und zahlreicher Umbau- und Renovierungsarbeiten fast schon Pflicht, dass man reichlich Bier im Haus hat. Leider hatte der Border-Shop in Rostock am 1.Januar geschlossen, sonst wäre das Auto wahrscheinlich noch voller geworden. Dafür habe ich an Bord der Fähre von Rostock nach Gedser noch zwei Stiegen schwedisches Bier gekauft. Mariestads Export, 24 Dosen 330ml für 12,50 Euro (ca. 13,30 SEK pro Liter). In Schweden kostet eine Dose 500ml der selben Sorte im Systembolaget 15,40 SEK (30,80 SEK pro Liter). Also fast zwei Drittel eingespart. Einen Euro billiger war übrigens die 24-er Box Carlsberg. Einen Euro teurer dagegen Becks und Heineken.

Zu guter Letzt haben wir uns auch wieder einige Lebensmittel mitgenommen, die man in Schweden nicht kaufen kann (zumindest habe ich sie noch nicht gefunden). Darunter Obazda, Lachsschinken, Nussschinken und Frischkäse mit weißer Schokolade. Leider alles nicht besonders lange haltbar.