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Dienstag, 6. Oktober 2009

Arztkosten in Schweden

Da mir mein schwedischer Zahnarzt mal wieder ordentlich in die Tasche gegriffen hat, dachte ich das ich heute mal ein wenig über die Kosten im schwedischen Gesundheitssystem blogge. Über folgende Sachen sollte man in Schweden Bescheid wissen. Zahnarzt, normaler Arzt, Medikamente und Krankenhäuser.

Allgemeinärzte gibt es im Stockholms Län in Krankenhäusern und in Ärztehäusern (Vårdcentral). Wenn man hier in Schweden zum Allgemeinarzt geht, ist jedes mal eine Art Praxisgebühr fällig. Diese fällt unterschiedlich hoch aus, je nachdem ob es sich um einen Erstbesuch (140 SEK) oder einen Folgebesuch (70 SEK) handelt. Ähnlich wie in Deutschland, ist es ratsam sich von seinem Hausarzt eine Überweisung (Remis) zu holen, bevor man zu einem Spezialisten geht. Hat man diese Überweisung von Hausarzt nämlich nicht, dann kostet der Besuch bei spezialisierten Ärzten 300 SEK. Mit einer Überweisung kostet der Besuch nur 160 SEK. Wie ihr seht, können dabei bereits in einem Monat eine Menge Kosten zusammenkommen. Die 10 Euro Praxisgebühr im Quartal wirken dagegen vergleichsweise niedrig. Allerdings gibt es in Schweden eine Kostendeckelung, damit das Gesundheitswesen für die Patienten bezahlbar bleibt. Der sogenannte Högkostnadsskydd besagt, dass jeder der innerhalb eines Jahres 900 SEK für Arztbesuche bezahlt hat, von weiteren Kosten freigestellt wird. Die Frist gilt ein Jahr von dem Tag, an dem das erste Mal für einen Arztbesuch Gebühren bezahlt wurden. Nehmen wir also an ich gehe am 2.Mai, 13.Juni, 16 Juni und am 2.November zum Arzt und überschreite beim letzten Besuch die 900 SEK Kostengrenze. Damit erhalte ich eine sogenannte Frikort, die bis zum 2.Mai des nächsten Jahres gültig ist. Die Frikort ist auch gültig, wenn ihr beispielsweise akut in die Notaufnahme ins Krankenhaus müsst. Damit ihr eine Frikort bekommt, müsst ihr Euch bei jedem Arztbesuch die Ausgaben abstempeln lassen. Ihr erhaltet eine kleine Karte, auf der die Kosten des jeweiligen Besuches eingetragen werden können. Ich glaube, dass alles aber auch im Computer gespeichert ist, so dass man auch nachträglich noch eine Frikort einholen könnten. Positiv finde ich weiterhin, dass Arztbesuche für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in Schweden generell kostenlos sind.

Eine ganz anderes System fahren die schwedischen Zahnärzte, die leider richtig teuer sind. Ich denke da ist auch in Deutschland das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Jeder Schwede muss zunächst einen Jahresbeitrag beim Zahnarzt entrichten. Dieser liegt bei 300 SEK, außer man ist zwischen 30 und 75 Jahre alt. In diesem Fall liegt der Jahresbeitrag niedriger bei 150 SEK. Von der Försäkringskassa, der einzigen schwedischen Krankenkasse, bekommt jeder Versicherte einmal im Jahr im Juli einen Kostenzuschuss, der direkt an den behandelnden Zahnarzt ausgezahlt wird. Der Zuschuss beträgt 150 SEK für alle zwischen 30 und 75 Jahren, ansonsten 300 SEK. Sonstige Kosten zahlen die Patienten zunächst selber. Bei Zahnarztbesuchen ist es wichtig, ob man mit Termin oder als Akutbehandlung kommt. Leider musste ich schon einmal zum Zahnarzt wegen Zahnschmerzen und einmal weil ein Stiftzahn rausgefallen ist. Sowas ist immer teurer, als wenn man mit Termin hingeht. 1000 SEK kann man für sowas schon einrechnen. In Schweden gibt es die staatlichen Zahnärzte (Folktandvården) und die privat behandelnden Zahnärzte. Kurioserweise haben die staatlichen Zahnärzte bei meinen Arbeitskollegen einen besseren Ruf als die privaten Zahnärzte. Wieviel ihr jedes mal beim Zahnarzt bezahlen müsst, hängt von den ausgeführten Arbeiten und der Behandlungsdauer ab. Zahnhygiene (Tandhygienist), zum Beispiel Entfernung von Zahnstein, wird nicht direkt vom Zahnarzt durchgeführt und ist billiger. Ungefähr zwischen 700 und 1200 SEK kann man je Besuch rechnen. Eine Kostengrenze (Högkostnadsskydd), ab der gar nichts mehr bezahlt werden muss, gibt es nicht direkt. Überschreitet ihr allerdings innerhalb eines Jahres Kosten von 3000 SEK, dann werden alle weiteren Behandlungen billiger, da dann die schwedische Krankenkasse (es gibt nur eine) einen Teil der Kosten übernimmt. Weitere Kosten zwischen 3000 und 15.000 SEK muss der Patient dann nur noch zu 50% tragen. Alles was über 15.000 SEK liegt nur noch zu 15%. Aktuell liege ich bei 2300 SEK Ausgaben und ich habe noch zwei Termine im November. Ihr seht also das es wichtig ist, möglichst innerhalb eines Jahres alles machen zu lassen, was gemacht werden muss. Mit der Qualität der Zahnarztarbeiten bin ich bisher sehr zufrieden. Ich persönlich denke, dass hier besser und gründlicher gearbeitet wird als in Deutschland. Eine neue Füllung kann schon mal eine Stunde dauern, mit anpassen, schleifen etc. Beim deutschen Zahnarzt war sowas meistens innerhalb von 20 Minuten abgegessen. Allerdings bedeutet eine längere Behandlungsdauer ja auch mehr Geld für den Zahnarzt. Wichtig ist auch, dass ihr Eure Zahnarzttermin in Schweden einhaltet. Der Zahnarzt ist nämlich berechtigt einen Teil der Kosten in Rechnung zu stellen, falls man einfach nicht hingeht. Allerdings wird das meistens leger gehandhabt. Ich hatte früh mal einen Termin vergessen und meine Zahnärztin rief mich dann auf dem Handy an, ob ich es nicht innerhalb der nächsten 10 Minuten schaffen könne. Kein Problem also.

Nun zu den Kosten für Medikamente. Hier gibt es wieder den bereits mehrfach angesprochenen Högkostnadsskydd. Dieser liegt bei 1800 SEK in einem Jahr. Wenn ihr innerhalb eines Jahres so viel für Medikamente ausgebt, müsst ihr für alle weiteren Medikamente in der Apotheke nichts bezahlen. Jeweils wieder mit einem Jahr Frist, ähnlich wie bei den Arztbesuchen. Ich finde das eine sehr gute Sache, die allen hilft, die regelmäßig Medikamente einnehmen müssen oder mehrfach im Jahr sehr teure Medikamente benötigen - z.B. für eine künstliche Befruchtung. Allerdings gibt es auch eine Reihe von Medikamenten, die nicht unter diese Regelung fallen. Nicht verschreibungspflichtige Medikamente unter anderem.

Abschließend noch ein Wort zu den Krankenhäusern, die ich auch schon einmal kennen lernen durfte. Ein Problem in Schweden oder zumindest in Stockholms Län, sind die sehr langen Wartezeiten für Patienten. Einen Termin im Krankenhaus oder für stationäre Behandlung beim Spezialisten zu bekommen, kann sich viele Monate hinziehen. Die übermäßig langen Wartezeiten sind der Grund dafür, dass Schweden im europäischen Gesundheitsranking von Platz Fünf auf Acht abgerutscht ist, zwischen Deutschland und Frankreich. Um im Ernstfall schneller behandelt werden zu können, haben wir uns selbst noch eine private Zusatzversicherung für 170 SEK im Monat angeschafft. Über die Versicherung können wir einen Termin bei einem Spezialisten innerhalb von 2 Tagen, für eine Operation innerhalb von 2 Wochen bekommen.

Kommentare:

  1. Zwei Anmerkungen meinerseits:

    1. Der Jahresbeitrag beim Zahnarzt zahlt man nicht, sondern den bekommt man. Wie man aber an den von dir genannten Preisen sehen kann: für das Geld schaut einen der Arzt bestenfalls mal schief an.

    2. Die Wartezeiten in Stockholm gehören nicht zu den schlechtesten. Laut Vårdgaranti soll man den Hausarzt spätestens nach 7 Tagen sehen können und den Facharzt 90 Tage danach. Die Behandlung des Facharztes (z.B. Operation) soll dann wiederum spätestens 90 Tage später erfolgen. Landesweit werden diese großzügigen Grenzen bei rund 20% (!!!) der Patienten nicht eingehalten. Stockholm ist in der Hinsicht Durchschnitt, aber immerhin ist der Zugang zum Hausarzt sehr schnell möglich. Stockholm jedenfalls die meisten Ärzte pro Einwohner - vermutlich sind das alles Allgemeinmediziner

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  2. Hi Fabian, danke für den Hinweis mit dem Zuschuss beim Zahnarzt. Hatte das irgendwie falsch verstanden.

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  3. Noch eine Anmerkung: die Kosten für die allermeisten Zahnbehandlungen (z.B. Füllungen, Krone, Kontrolle usw) sind fix - also unabhängig davon wie lange der Zahnarzt dafür braucht. Daher sind längere Sitzungen eher ein Hinweis auf Qualität der Arbeit, der Zahnarzt verdient dabei nicht mehr! Folktandvårds-Zahnärzte haben ein (relativ tiefes) Grundgehalt - die Privatpraktiker arbeiten auf eigene Rechnung. Erklärt somit vielleicht etwas die unterschiedliche Beliebtheit.

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  4. Sehr gute und umfangreiche Informationen für Einwanderer. Mach weiter so, Du hilfst damit vielen das schwedische System besser kennen zu lernen.

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