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Sonntag, 19. September 2010

Wahlsonntag

Heute habe ich zum ersten Mal in Schweden gewählt. Insgesamt zwei Kreuze durfte ich machen, eins für den Landtagsabgeordneten und noch eins für die Kommunalpolitik. Die meisten Schweden dürfen heute noch ein zusätzliches Kreuz machen und stimmen über eine neue Regierung ab. An der Wahl zum Reichstag darf man erst teilnehmen, wenn man schwedischer Staatsbürger ist oder nach fünfjährigem Aufenthalt das Wahlrecht zugesprochen bekommt. Auf meiner Wahleinladung sieht man, dass oben links neben dem gelben Wahlzettelsymbol nichts eingetragen ist - ich also zur „Rikdagsval“ nicht zugelassen bin. Bis zur nächsten Wahl in vier Jahren, sollte ich aber für den Riksdag wahlberechtigt sein.

Das Wählen selber hielt für mich auch einige Überraschungen bereit. Zunächst einmal war es ungewöhnlich, dass Vertreter der Parteien noch vor dem Wahllokal Stellung bezogen hatten um Wahlmaterial zu verteilen. Last Minute Drill sozusagen. Ich nahm alles mit was mit zugereicht wurde, da ich mich bereits entschieden hatte was ich wählen wollte. Da die Piratenpartei leider keine Kandidaten auf Kommunal- oder Landtagsebene stellt, habe ich meine Kreuze bei der Centerpartiet gemacht. Diese Partei setzt sich speziell für kleine Firmen, Existenzgründer und im Bereich Umwelt ein. Außerdem gehört die Centerpartiet mit zur sogenannten Alliansen, einem vier Parteien Zusammenschluss der die aktuelle Regierung stellt. Da wir es in den letzten zweieinhalb Jahren in Schweden sehr gut hatten, kaum etwas teurer geworden ist und Steuern gesenkt wurden, finde ich es OK mit der aktuellen Regierung weiterzumachen. Das ist wie gesagt mein persönlicher Standpunkt.



Um jedenfalls wieder auf das Wahllokal zurückzukommen, anders als in Deutschland finde ich das die Wahl nicht besonders anonym abläuft. Unser Wahllokal war in einer Schule bei uns in der Nähe. Es waren Tische aufgestellt, auf denen Stimmzettel im A6 Format, fein säuberlich sortiert, zur Mitnahme warteten. Die Stimmzettel gab es in drei unterschiedlichen Farben. Der weiße Stimmzettel mit Kandidaten für die Kommunalpolitik, der blaue Stimmzettel mit den Abgeordneten für den Landtag und der gelbe Stimmzettel für die Reichstagswahl. Diese Zettel nimmt man mit in seine Wahlkabine, macht jeweils ein Kreuz, steckt jeden Stimmzettel in einen separaten Briefumschlag und gibt diesen beim Wahlhelfer ab. Der Wahlhelfer überprüft die Identität anhand des mitgebrachten Ausweises und wirft die Stimmzettel in die richtige Wahlurne. Komisch finde ich, dass jeder Wähler seinen Stimmzettel in aller Öffentlichkeit vom Ständer nimmt und damit in die Wahlkabine verschwindet. Wenn ich mich richtig erinnere, sind in Deutschland alle Kandidaten auf einem einzigen Wahlzettel, so dass niemand sehen kann, wen ich ankreuze. Wenn ich mir in Schweden einen weißen und einen blauen Stimmzettel für die Centerpartiet nehme, ist es nicht mehr wirklich anonym, welcher Partei ich meine Stimme gebe. Okay, man könnte sich von allen Parteien einen Zettel mit in die Kabine nehmen, aber was macht man dann mit den unbenutzten Zetteln? Papierverschwendung ist nicht gerade mein Ding.

Ungewöhnlich war auch, dass zu jedem Kandidaten dessen Email Adresse auf dem Stimmzettel angegeben war. Es waren zwar meistens Adressen von irgendwelchen Freemail Diensten wie Hotmail, aber theoretisch kann man damit Kontakt zu den Abgeordneten aufnehmen. Soviel zu meinen Wahlerfahrungen in Schweden. Schauen wir mal wie diese Wahl heute Abend ausgeht.

Kommentare:

  1. Das Wahlrecht zum Reichstag erhält man nicht nach 5 Jahren zugesprochen. Es ist schwedischen Staatsbürgern vorbehalten, die schon einmal in Schweden gelebt haben. Du wirst also in vier Jahren nur wahlberechtigt sein, wenn du dich hast einbürgern lassen.

    Die Parteileute vor den Wahllokalen dürfen keine Werbung mehr machen, sondern nur die Stimmzettel austeilen.

    Die Wahl ist trotz allem geheim, auch wenn das Verfahren nicht ganz so penibel ist wie das deutsche. Man kann z.B. auch seine seine eigenen Wahlzettel mitbringen (kriegt man teilweise ja schon vorher) oder einen leeren nehmen und den Namen der Partei draufschreiben. Das ist alles erlaubt. Wenn man mehrere Zettel mitnimmt, kann man die überschüssigen auch liegen lassen.

    E-Mail-Adressen habe ich bei mir heute nicht gesehen. Da stand nur Name, Alter und Beruf. Bei den Angaben genießen die Parteien große Freiheiten. Die Parteien dürfen sogar Leute nominieren, die gar nichts davon wissen.

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  2. Noch habt ihr es da gut trotz der Steuersenkungen. Weil es in Schweden ein super Sozialsystem gibt, aufgebaut von den Sozialdemokraten nicht von der Allianz.
    Aber wenn die Steuersenkungen weitergehen ist das Sozialsystem halt irgendwann nicht mehr aufrecht zu erhalten, und dann wirds vielen schlechter gehen.

    Vor 5 Jahren wirds den Leuten im Grossen genau so gut gegangen sein wie dir die letzten 2,5 Jahre, aber damit hat die Allianz nichts zu tun.

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  3. @Fabian: ja ich meinte als schwedischer Staatsbürger nach 5 Jahren. Doppelte Staatsbürgerschaft geht ja. Werbung, naja ich sag mal so, warum muss mir draussen jemand einen Zettel in die Hand drücken, wenn die alle drinne rumliegen ;) Und in .de ist es trotzdem anonymer. Während ich dort war, haben alle ihren Stimmzettel vom Ständer weggenommen. Juckt wohl keinen ob das der Nebenmann sieht, mich ja auch nicht.

    @Anonym: RG Wähler? ;) Ich finde in vielen Bereichen, z.B. Gesundheitswesen, ist das Sozialsystem eher schlechter als in Deutschland.

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